Lange Zeit war die Deutsche Telekom der einzige Versorger in Deutschland, der Telekommunikationsleistungen anbieten konnte. Der damit verbundene zwangsläufige Ausbau der Infrastruktur – vor allem in ländlichen Gebieten – führte dazu, dass die Telekom gegenüber den neu hinzu gekommenen DSL-Anbietern einen Wettbewerbsvorteil besaß, den der Gesetzgeber dadurch zumindest stark verringerte, dass die Telekom verpflichtet wurde, ihre Infrastruktur dem Wettbewerb gegen Entgelt zur Verfügung zu stellen. Davon besonders betroffen ist die so genannte “letzte Meile”, der Teil des Netzes, der vom Kommunikationsknoten des einzelnen Anbieters zur Wohnung des Endkunden führt.
Dieser Verpflichtung komme die Deutsche Telekom laut Aussage des Vodafone-Chefs Friedrich Joussen, die einem Exklusivbericht des Handelsblattes zugrunde liegt, nicht nach. Vodafone erwäge daher, die Telekom zivilrechtlich auf Schadenersatz zu verklagen, zumal mehrere Beschwerden beim Kartellamt zu kaum einer Besserung dieses Zustandes geführt hätten.
Wie auch andere Anbieter nutze Vodafone die Infrastruktur der Telekom gegen eine hohe monatliche Gebühr, um seine Kunden mit den jeweiligen DSL-Anschlüssen versorgen zu können. Joussen wirft der Telekom nun vor, dass diese zwar das Geld kassiere, die dem Kunden von Vodafone versprochene Leistung im Sinne der Bandbreite jedoch beim Kunden nicht ankommt. Oft werbe dann die Telekom den unzufriedenen Kunden mit eigenen Vertragsangeboten ab, um danach dessen Versorgung mit einer nunmehr stimmenden Bandbreite zu gewährleisten.
Trotz der Tatsache, dass die Telekom diesbezügliche Probleme in der Vergangenheit mit der Bereitstellung der Infrastruktur, angeblich verursacht durch die Einführung eines neuen IT-Systems, eingeräumt hat, fordert der Vodafone-Chef nun einen Schadenersatz für die in dieser Zeit verlorenen Kunden und den dadurch entgangenen Umsatz.

01. 2010 - 