In dieser Woche fand in Köln die 17. Handelsblatt-Jahrestagung unter dem Motto “Telekommarkt im Umbruch” statt. Auf ihr äußerte die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, Neelie Kroes ihren Standpunkt zur Rolle und der weiteren Entwicklung des Breitbandmarktes in Europa.
Wachstumsfaktor Nummer Eins

Mit ihrer Aussage, dass die Informations- und Telekommunikationsindustrie in Europa bereits seit Jahrzehnten zu den größten Wachstumsmotoren in Europa gehört, unterstrich die niederländische Politikerin die Bedeutung des ITK-Sektors als ein entscheidender Anteil an der Bildung des europäischen Bruttoinlandsprodukts. Gleichzeitig wies sie mit Nachdruck darauf hin, dass Europa soeben dabei sei, seine bisher führende Rolle auf dem Breitbandmarkt zu verlieren und dabei von Staaten wie China oder Brasilien überholt zu werden.
Die gegenwärtigen Investitionen für den weiteren Breitbandausbau in Europa reichten nicht aus, um den sich auf der Überholspur befindlichen Ländern erfolgreich Paroli zu bieten. China sei bereits in diesem Jahr dabei, die EU als bisher größten Breitbandmarkt zu überholen.
Anreize für Investitionen müssen verstärkt werden
Um den unbefriedigenden Zustand, dass gegenwärtig nur circa zwei Prozent aller Europäer über einen Glasfaseranschluss verfügen und nicht mehr als gerade einmal fünf Prozent mit Geschwindigkeiten ab 30 MBit/s im Internet surfen können schnellstens zu überwinden, forderte Frau Kroes vor allem von der Politik ein schnelles und konsequentes Handeln. So müssten neben einer längerfristigen Planung neue Anreize für weitere Investitionen der Netzbetreiber geschaffen werden und gleichzeitig die öffentliche Förderung verbessert werden. Schließlich würde ein vernachlässigter Breitbandausbau, für den europaweit perspektivisch etwa 270 Milliarden Euro erforderlich seien, die Gefahr eines absinkenden Wirtschaftswachstums nach sich ziehen.
Neben einer allgemeinen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit werden Breitbandanwendungen künftig vor allem in der Energie- und Gesundheitsversorgung eine zunehmende Rolle spielen.
