Die Versatel AG ist einer der größten Betreiber eines Internet-Netzes in Deutschland. Für einen sehr niedrigen Preis bekam das Unternehmen nun einen neuen Haupteigentümer. Es handelt sich um die New Yorker Beteiligungsgesellschaft KKR, die mit nur rund 240 Millionen Euro knapp 97 Prozent der Anteile von den drei bisherigen. Zwischen den bisherigen Eigentümern United Internet (1&1), Apax und Cyrte gab es nach Angaben der RP Wirtschaft Streitigkeiten.
Finanzielle Schwierigkeiten
Die bisherigen Eigentümer wurden bei dem Geschäft mit Versatel schlecht behandelt. Für den Aktienkauf des Düsseldorfer Unternehmens bot KKR gerade einmal 6,70 Euro pro Wertpapier – einen Euro weniger als das Unternehmen gestern noch wert war. Der erst vor zwei Jahren zurückgetretene Versatel-Chef Peer Knauer war den Angaben zufolge im Hintergrund der Drahtzieher dieses Deals. Der Sohn des früheren Vorstandes, Hans-Jürgen Knauer, war über den Fortschritt des Unternehmens seit der Amtsübernahme von Alain Bandle enttäuscht. Das Unternehmen verzichtete schon länger auf das aktive Anwerben neuer, privater DSL-Kunden, da es an Geld mangelte. In drei Jahren stürzte der Aktienkurs um mehr als 70 Prozent ab und der Jahresumsatz stagnierte mit 1200 Mitarbeitern bei 700 Millionen Euro. Zudem kommt der Verlust von 122 Millionen Euro im Vorjahr und fast 700 Millionen Euro Schulden, was die Lage ernst werden lässt.
Engere Zusammenarbeit mit United Internet
Unter der Führung von KKR soll es nun mit Versatel wieder aufwärts gehen. Der neue Investor hat sich bei der Transaktion von der Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt und deren Team für Unternehmenskäufe beraten lassen. Der konkrete Plan sieht die engere Zusammenarbeit mit dem scheidenden Eigentümer United Internet vor, dem möglicherweise bald die fast 700.000 privaten Versatel-DSL-Kunden übertragen werden und der sich indirekt wieder mit rund 25 Prozent an Versatel beteiligen darf. Viele Hoffnungen liegen aber auch im Glasfasernetz, das besser genutzt werden soll. Die Firma hat in vielen Städten eines der am besten ausgebauten Glasfasernetze Deutschlands, da sie im Kern ein Zusammenschluss früherer Stadtwerke ist. So besteht die Chance auf eine Reihe an Kooperationen und Fusionsmöglichkeiten. KKR plant so den Zusammenschluss mit dem Kölner DSL-Anbieter QSC, dessen Management einen exzellenten Ruf genießt. Außerdem könnte Versatel auch anderen bekannten Internetanbietern wie Vodafone oder E-Plus Vorteile bringen, indem es Datenmengen zu Funkmasten oder Großkunden transportiert. Wie hoch die Rendite sein kann, ist aber noch unsicher.

21. Mai 2011 - 
