Die Deutsche Telekom, Alcatel-Lucent und Vivendi gehören zu den Schwergewichten aus Netzbetrieb und Inhalten. Laut „heise online“ sprachen Sie sich auf EU-Ebene dafür aus, Internetangebote stärker zu differenzieren. Sie verfassten gemeinsam einen 11-Punkte-Plan zur Verwirklichung der „Digitalen Agenda“ der EU-Kommission.
Wunsch nach einer ehrlichen Debatte
Europa sollte unterschiedliche Ansätze fürs Verkehrs- und Netzwerkmanagement fördern, um die Innovation und neue Online-Dienste voranzubringen. So heißt es in dem Plan, den der Geschäftsführer von Alcatel-Lucent, Ben Verwaayen, gemeinsam mit dem der Deutschen Telekom, René Obermann, und dem Geschäftsführer von Vivendi, Jean Bernard Lévy gemeinsam schrieben. Die drei Konzernchefs stellten ihre Vorschläge der zuständigen Kommissarin Neelie Kroes in der vergangenen Woche vor.
In einem ergänzenden Schreiben bezeichnen die Industriegrößen die Breitbandziele der Digitalen Agenda, wonach allen Europäern bis 2020 ein Anschluss von mindestens 30 MBit/s und der Hälfte aller Haushalte Leitungen mit 100 MBit/s zur Verfügung stehen sollen, als vielleicht „zu ambitioniert“ und zu sehr auf gewisse Übertragungstechniken ausgerichtet. Sie wollen die Vorgaben aber erreichen und aus diesem Grund nun in eine „offene und ehrliche Debatte“, etwa über das Prinzip der Netzneutralität, treten.
Der Meinung der drei Chefs nach müsse es ein „Internet der Wahlmöglichkeiten“ geben und die „Nachfrage nach verschiedenen Qualitätsklassen“ berücksichtigt werden. In der Regel verbänden „vernünftige Geschäftsmodelle“ teure Dienste mit dem traditionellen Ansatz „Best Effort“, nach dem die Datenpakete der Reihe nach ohne Vorzugsbehandlung verarbeitet und weitergeleitet werden.
Interesse aller gedeckt
Die Vertreter sind der Meinung, dass Zugangsanbieter der Telekommunikations-, Medien- und Ausrüsterbranche „zweigleisig“ fahren können. Auf Basis von Verträgen, die „Prinzipien der Offenheit“ berücksichtigen, wäre dies möglich. Würde das Markt-Potenzial ausgenutzt werden, würden der Datentransport effizienter ausgenutzt und moderne Netzwerke rascher ausgebaut werden. Davon würden auch Verbraucher und die Kreativwirtschaft profitieren. Die Interessen aller Seiten würden zusammenfallen.
Dagegen wertete der Zugangsanbieter 1&1 unterschiedliche Qualitätsebenen beim Verkehrsmanagement im Internet jüngst als „Abweichung vom Prinzip der Netzneutralität“. Diese sollten nur in Ausnahmefällen und unter genau gefassten Bedingungen gestattet sein. Bislang tat Obermann den Streit um die Netzneutralität als „Scheindebatte“ ab. Er und seine beiden Kollegen setzen sich für die effizientere Verwendung „rare Ressourcen“ wie dem Funkspektrum zur Breitbandversorgung sowie dem offenen Zugang zu Leerrohren und zu Leitungs- und Kabelsystemen innerhalb von Häusern ein. Zudem wäre es in europäischer Hand, rasch offene und interoperable Standards für Qualitätsanforderungen beim Austausch von Datenpaketen an zentralen Knoten und beim Zugang zu Netzen von Konkurrenten voranzutreiben. Wenn der Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen sonst nicht möglich, beziehungsweise nicht rentabel sei, sollte der Staat Unterstützung gewährleisten.

20. Juli 2011 - 