Derzeit sind die schnellen Datenleitungen nur in wenigen Privathaushalten vertreten. Mit der Massenvermarktung will die Telekom nun die Konkurrenz in den Schatten stellen. Allerdings wird dies Milliardenkosten verursachen, wie die Financial Times gestern berichtete. Der Konzern will eigens für die superschnellen Glasfaserleitungen eine neue Gesellschaft ins Leben rufen.
Kabelbetreiber stehlen der Telekom das Geschäft
Wie die FTD aus Kreisen erfuhr, die mit dem Vorgang vertraut sind, soll die neue Gesellschaft mittelfristig maximal 1500 Personen beschäftigen und den Projektnamen FTTH tragen. Dieser Name steht für Fibre tot he Home – Glasfaser bis in die Wohnung. In Deutschland können derzeit nur wenige Tausend Haushalte vom superschnellen Internet durch Glasfaseranschluss profitieren. Dieser Plan legt die Ambitionen der Telekom klar offen.
Durch den Ausbau kann die Telekom mit den Kabelnetzbetreibern mithalten. Derartigen Unternehmen, wie Kabel Deutschland oder Unitymedia haben durch die Infrastruktur die Möglichkeit, höhere Geschwindigkeiten zu niedrigeren Preisen anzubieten, als es der Telekom bisher möglich ist. Die Kabelanbieter haben ihre Finger somit im Kerngeschäft der Telekom, was dem Konzern nicht ohne weiteres hinnimmt. Denn besonders mit den Datenleitungen lässt sich gutes Geld verdienen. Außerdem werden sich Kabelkunden höchstwahrscheinlich nicht für das Telekom- Internetfernsehangebot „Entertain“ begeistern lassen. Doch die Wachstumsstrategie von Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme beruht auf dem Webfernsehdienst sowie den teureren, schnellen Internetverbindungen. Der Glasfaser-Einsteiger-Tarif lässt sich bei der Telekom derzeit für knapp 55 Euro monatlich nutzen.
Junge Leute für FTTH
Besonders junge Leute sollen der Planung zufolge in der neuen FTTH-Gesellschaft nach ihrer Ausbildung unterkommen. Diese könnte die Telekom andernfalls nicht übernehmen. Mitarbeiter aus den Bereichen Technik und Service sollen einen befristeten Arbeitsvertrag über zwei Jahre erhalten. Nur mit diesem Schritt ist es möglich, die Internetleitungen möglichst rasch zu verlegen, sollte das Geschäft im kommenden Jahr anspringen. „2012 wird die Gesellschaft erst einmal einige Hundert Mitarbeiter beschäftigen“, wie ein Telekom-Sprecher am Mittwoch bestätigte. Bis zum Jahr 2013 will die Telekom insgesamt 10 Milliarden Euro in den Festnetz- und Mobilfunkausbau in Deutschland stecken. Laut konzerninterner Diskussion könnten allein auf den Glasfaserausbau 1,5 Milliarden Euro verloren gehen, wenn sich die Nachfrage stabil entwickelt.

25. August 2011 - 