Welche Ausmaße mittlerweile das Internet und seine Meinungsäußerung eingenommen hat, scheint unbegreiflich. In einigen Ländern, wie beispielsweise dem Irak, scheint sich nun auch die Staatsmacht über bekannte Plattformen, wie beispielsweise Facebook in ihren Augen Kriminellen habhaft zu machen. Nun haben irakische Sicherheitskräfte in Mossul gut 260 Personen verhaftet. Der Anlass war, dass diese über Facebook angeblich offene Bekundungen zu Terroristen gepostet hatten.
Offizielles Statement nur als Vorwand?

Am vergangenen Dienstag äußerten sich irakische Politiker zu der erwähnten Aktion und lassen berechtigte Zweifel an der Korrektheit des “Säuberungs-Vorhaben” laut werden. So ist die Rede von Willkür und Folter, die infolge dieser von Bagdad aus gesteuerten Polizei-Aktion stattgefunden haben sollen.
Demnach sollen die Verdächtigen in Untersuchungsgefägnissen eingesperrt worden sein, wobei kein fairer Prozess geschweige denn ein menschenwürdiger Umgang gewahrt worden sein soll. Dies lässt die zu Beginn eher gerechtfertigte Aktion der irakischen Regierung in einem ganz neuen Licht dastehen. So soll es innerhalb von gerade einmal sieben Tagen über Hunderte von willkürlich durchgeführten Festnahmen gegeben haben. Durchgeführt wurden selbige durch die Armee sowie die Polizei vor Ort. Dies teilte nun der Vorsitzende des Sicherheitskomitees mit, der im Provinzrat von Ninive sitzt. Der Verantwortliche Abdelrahim al-Schammari leitet diese Informationen an die Nachrichtenagentur dpa in Mossul weiter.
Die Vorwürfe gegen die Verhafteten
Gerechtfertigt werden die unzähligen Festnahmen dadurch, dass man sich bestimmten Gruppen im bekannten Online-Netzwerk Facebook angeschlossen hätte, die einen Al-Kaida-Ableger als islamischen Staat für den Irak forderten. Zudem ließ Al-Schammari verlauten, dass in zahlreichen Fällen die jeweils betroffenen Internet-Nutzer lediglich unter Verdacht geraten seien, mit terroristischen Netzwerken zu tun zu haben. Dies sein der Fall gewesen, da andere Personen unter deren Namen eingeloggt waren und dann die terroristischen Äußeren oder Sympathien über Facebook in die Welt getragen haben. Auch zu Todesfällen soll es im Zuge der Verhaftungen gekommen sein. Demnach wurde der Arbeiter Jassin al-Chafadschi während der besagten Aktion zu Tode gekommen sein. Der Vater von drei Kinden soll beim Verhör durch Schläge und Elektroschocks dermaßen gefoltert worden sein, dass dies später zu seinem Tod führte. Auch einen Finger habe man ihm abgetrennt. Im direkten Anschluss scheint die Leiche an die Gerichtsmedizin übergeben worden sein.

