Eine aktuelle Aufstellung in Sachen Glasfaserausbau in Europa sollte den Verantwortlichen in Deutschland die Schamesröte ins Gesicht springen lassen. Denn kaum ein anderes Land auf unserem Kontinent weist so wenige High Speed Internetanschlüsse vor.

Die Liste des Branchenverbandes der Netzausrüster FTTH Council Europe enthält 22 Länder, in denen mindestens ein Prozent der Haushalte oder auch Immobilien über einen Anschluss an das Glasfaserkabel verfügen. Während große europäische Nationen wie Frankreich, Spanien oder Italien genauso auf der Liste zu finden sind wie auch Litauen, Lettland, Ungarn, Luxemburg oder Rumänien, findet sich Deutschland in der Aufstellung nicht wieder. Damit verfügt demzufolge nicht einmal einer von einhundert Haushalten hierzulande über einen Anschluss an das Glasfasernetz.
Unterschiedliche Infrastruktur beim schnellen Internet in Europa
Bekanntlich lassen sich mit Glasfaser-Leitungen Geschwindigkeiten beim Internet erreichen, die bisherige Technologien wie das TV-Kabel oder auch DSL nicht erreichen. Während Deutschland nicht einmal unter den 22 Nationen zu finden ist, die mindestens ein Prozent vorweisen, so führt Litauen das Ranking an. In dem baltischen Staat ist fast jeder dritte Haushalt oder jedes dritte Gebäude an das schnelle Datennetz angeschlossen. Dahinter folgt Norwegen mit 18 Prozent.
Hierbei muss aber beachtet werden, dass Litauen beispielsweise über eine mehr als mangelhafte Infrastruktur in Sachen Kupferkabel verfügt, so dass die Anbieter in dem Staat am Baltikum auf hohe Investitionen verzichten, um DSL über Kupferkabel zu nutzen. Stattdessen wird hier voll auf Glasfaser gesetzt. Genau das Gegenteil ist beispielsweise in Großbritannien der Fall. Denn die Briten liegen noch in der Deutschland, da auf der Insel komplett nach wie vor auf DSL per Kupferkabel gesetzt wird.
Weitere Verzögerung des Glasfaserausbaus in Deutschland möglich
Auch wenn Deutschland bereits in Sachen Glasfasernetz in Europa den Status eines Entwicklungslandes hat, so drohen weitere Verzögerungen beim Ausbau des Glasfasernetzes in hierzulande. Obwohl die Deutsche Telekom nämlich im vergangenen Jahr 170.000 Haushalte ans schnelle Netz gebracht hat und bis Ende dieses Jahres 200.000 weitere Haushalte hinzukommen sollen, will die Telekom künftig verstärkt auf die Vectoring-Technologie setzen. Hierbei wird nur bis zu den Kabelverzweigern Glasfaser verlegt, anschließend sollen mehrere gebündelte Kupferkabel bis zu den Wohnungen eingesetzt werden, da dies günstiger ist.

