Internetanbieter wechseln – wie macht man es richtig?

Den Internetanbieter wechseln – was oft so einfach klingt, entpuppt sich in der Praxis oft als etwas umständlich. Viele Kunden stellen sich daher die Frage: Wie macht man es richtig?

Nachdem die Computerzeitschrift c’t in der Ausgabe 2/2012 bereits einige Tipps gegeben hat, haben wir uns diesen Artikel zum Anlass genommen, das Prozedere hier vorzustellen und unseren Lesern damit den DSL Anbieter-Wechsel zu erleichtern.

Warum wechseln?

Warum sollte man überhaupt den Internetanbieter wechseln?
Das kann ganz verschiedene Ursachen haben:

  • Unzufriedenheit mit der Preispolitik
  • Unzufriedenheit mit dem Service
  • Anschluss zu langsam
  • Umzug
  • usw.

Wer seinem Anbieter jahrelang treu war, behält die Vertragskonditionen in den meisten Fällen über die gesamte Laufzeit bei. Doch die Preise im DSL-Bereich haben nach wie vor noch etwas Luft nach unten. So sind Bestandskunden oft schlechter dran, da sinkende Preise nicht an diese weitergegeben werden. Von Sonderkonditionen und günstigeren Preisen profitieren daher meist nur Neukunden.

Die Kündigung

Erstmal ein wichtiger Hinweis vorweg: die Kündigung sollte nicht selbst durchgeführt werden (es sei denn, Sie werden explizit dazu aufgefordert). Zumindest gilt das, wenn man seinen Anschluss möglichst ohne Unterbrechung nutzen will. Die Kündigung wird vom neuen Internetanbieter durchgeführt.

Die Kündigungsfrist sollte unbedingt beachtet werden! Bereits ein Tag über der Frist sorgt bei vielen Anbietern dafür, dass sich der Vertrag um die in den AGB festgelegte Zeitspanne (meist 12 Monate) verlängert und man für diese Zeit weiterhin an den Anbieter gebunden ist.

Sollten Sie nicht genau wissen, wann ihr DSL-Vertrag abläuft, fragen Sie am besten bei Ihrem Anbieter an der Hotline nach oder schauen Sie in ihrem Loginbereich in die Vertragsdetails! Es gilt nämlich nicht unbedingt die Frist, die aktuell in deren AGB steht, sondern die Frist, die damals bei ihrem Vertragsabschluss in den AGB stand.

Haben Sie noch mehr als 3 Monate Zeit, bis der Vertrag ausläuft? Lassen Sie sich von unserem Wechsel-Reminder erinnern.

Möchten Sie Ihre Rufnummer mitnehmen zum neuen Anbieter? Dann beherzigen Sie den Hinweis, nicht selbst zu kündigen. Ansonsten kann es vorkommen, dass die Rufnummer nicht rechtzeitig portiert werden kann und es zu einem Ausfall des Telefonanschlusses für 1-2 Wochen kommt.

Wer eine Flatrate fürs Handy hat, ist in solchen Fällen nicht ganz so aufgeschmissen. Allerdings ist die Erreichbarkeit über die Festnetznummer während dieser Zeit nicht gewährleistet.

Umzug

Bei Umzügen besteht rein rechtlich gesehen kein Anspruch auf vorzeitige Entlassung aus dem Vertrag (Ausnahmen gibt es aber auch, z. B. beim Umzug ins Ausland). Einige Anbieter zeigen sich aber kulant und erlauben die Beendigung des Vertragsverhältnisses gegen die Zahlung eines einmaligen Betrages. Das macht natürlich nur Sinn, wenn dieser Betrag kleiner als die Summe aller restlichen Monatsbeträge ist.

Bleibt man auch nach dem Umzug beim bisherigen Anbieter, wird oftmals die Auflösung des bestehenden Vertrages angeboten und gleichzeitig ein neuer Vertrag geschlossen. Damit beginnt zwar die Mindestlaufzeit von vorn, allerdings profitiert man dann auch von neuen Tarifen und Angeboten. Außerdem erspart man sich den Ärger mit dem alten Anschluss.

Bitte beachten!

Um möglichst wenig Barrieren und potentielle Fallen beim Wechsel des Internetanbieters bezwingen zu müssen, empfehlen wir folgende Hinweise:

  • Wichtig ist, dass die Inhaberdaten beim Wechsel des Internetanbieters genau mit denen des alten Anbieters übereinstimmen. Ansonsten kann es zu Komplikationen kommen und der DSL-Wechsel geht nicht reibungslos über die Bühne.
  • Läuft der Anschluss z. B. beim alten Anbieter auf einen WG-Mitbewohner oder auf ein Familienmitglied, empfiehlt es sich, den Anschlussinhaber beim alten Anbieter vor dem Wechsel ändern zu lassen.
  • Schreibfehler bei der alten Adresse (z. B. Hausnummernzusätze) sollten auch beim neuen Anbieter genauso angegeben werden. Ist das nicht möglich (z. B. bei der Verfügbarkeitsprüfung des neuen Anbieters), so sollte die Anschrift vor dem Wechsel beim bisherigen Anbieter geändert werden.
  • Weicht die Rechnungsanschrift vom Vertragsinhaber ab (möglich zum Beispiel bei der Telekom oder Unitymedia), so sollte vor dem Wechsel feststehen, wer als Vertragspartner registriert ist. Ist man sich unsicher, dann am besten bei der Hotline nachfragen oder im Loginbereich des Anbieters nachsehen.

Und weiter gehts

Wurde der neue Anbieter beauftragt, wird dieser Auftrag noch einmal schriftlich per Post bestätigt. Bitte prüfen Sie, ob alle Daten ihre Richtigkeit haben (das gilt insbesondere, wenn der Auftrag telefonisch erteilt wurde).

Um die Kündigung nun endlich beim alten Anbieter einzuleiten, liegt diesem Brief im Allgemeinen ein gesondertes Formular bei, was von Ihnen unterschrieben zum neuen Anbieter zurückgeschickt werden muss. Damit wird dann beim bisherigen Anbieter die Kündigung und die Rufnummernübernahme ausgelöst.

Finden Sie in diesem Formular Fehler, so kontaktieren Sie besser den Anbieter, als selbst Änderungen auf dem Papier vorzunehmen. Aufgrund der automatischen Weiterverarbeitung kann es ansonsten zu Fehlern kommen.

Was tun, wenn…?

Haben Sie bereits selbst gekündigt, sollten Sie den neuen Anbieter unbedingt darüber informieren. Ansonsten sind Unterbrechungen bis zur Bereitstellung des neuen Anschlusses möglich.

Haben Sie es besonders eilig mit der Umstellung, widerstehen Sie bitte der Versuchung, nachträglich mit dem alten Anbieter Vereinbarungen zur schnelleren Bearbeitung zu treffen. Der koordinierte Termin kann ansonsten vom neuen Anbieter ggf. nicht eingehalten werden und die gesamte Prozedur beginnt von vorn.

Besser: Doppeltes Netz

Um ganz sicher zu gehen, dass man während der Umstellung das Internet und Telefon weiterhin nutzen kann, hat man die Möglichkeit, auch die Zugangstechnik zu wechseln. So kann man z. B. von DSL auf einen Kabelanbieter umsteigen, oder aber auch die neue Funktechnik LTE nutzen. Für ca. 1-2 Wochen kann man somit beide Techniken parallel nutzen.

Macht man von dieser Möglichkeit Gebrauch, so fallen für den Zeitraum der „doppelten Nutzung“ natürlich auch doppelte Gebühren an.

Abschließend haben wir noch die Empfehlung, sich einen günstigen UMTS-Stick zu kaufen, sollten Probleme beim Wechsel des Internetanbieters absehbar sein. Auf Prepaid-Basis bleiben die Kosten überschaubar und man hat zumindest eine „Grundversorgung“ für den Internetzugang, um z. B. wichtige Emails bearbeiten zu können.